Zu ebener Erde – Menschen eine Stimme geben


Zu ebener Erde – Menschen eine Stimme geben


Menschen ohne Obdach macht die Kinodokumentation ZU EBENER ERDE sichtbar und porträtiert sie mit viel Feingefühl aus nächster Nähe. Das Samariterbund Winterquartier in der Gudrunstraße war einer der vielen Schauplätze dieses Films.

Ob am Weg zum Büro, ins Kino oder sonst wohin, -sie sind immer da. Unscheinbar, kaum wahrnehmbar. Zum Teil sehr kreativ in Nischen des öffentlichen Raums versteckt, dann wieder ganz offensichtlich. Die drei Filmemacher/innen Birgit Bergmann, Steffi Franz und Oliver Werani wollten Menschen vom äußersten Rand der Gesellschaft aus ihrer Anonymität holen und ihnen somit eine Stimme geben.
Fast ein Jahr lang wurde Herr Birkner auf seinen routinierten Wegen durch Parkanlagen, zu provisorischen Schlafplätzen oder Sozialeinrichtungen begleitet. Hedy hingegen mied auch bei klirrender Kälte längere Aufenthalte in beengten Unterkünften und baute sich im Wald am Stadtrand einen höhlenartigen Unterschlupf aus Zweigen. Ebenso wenig ausgespart wurden aber auch der ruppige Umgangston zwischen Laco und seiner zerbrechlich wirkenden Ehefrau Katka oder bedrückende Szenen, die in alkoholbetäubter Leere zerfließen.

Der Film ist auch ein Porträt über die Institutionen, die Obdachlose unterstützen – wie ist die Situation in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Birgit Bergmann: Wir wissen, dass die Situation für Obdachlose in den meisten Teilen Europas bei weitem nicht so gut ist, wie in Österreich. Sprich: es gibt nicht so viele Essensausgaben, Gewandspenden, gratis Zahnärzte, Notschlafstellen und Unterkünfte. Deutschland ist am ehesten vergleichbar mit Österreich. In Osteuropa, jedoch auch in England, Frankreich und Spanien gibt es kein so stark ausgebautes Netz an Institutionen.

Was würdet Ihr Euch im Umgang mit Obdachlosen wünschen?
Oliver Werani: Obdachlose wahrzunehmen, ihnen Gehör zu schenken oder einfach mit ihnen Zeit zu verbringen, das wäre schön.

Steffi Franz: Oder auch die Courage zu haben, für einen Obdachlosen, der bewusstlos in einem Fahrstuhl einer U-Bahnstation liegt, die Rettung zu rufen, anstatt den Lift weiter zu benutzen und den Mann unbeachtet an seiner Alkoholvergiftung sterben zu lassen, so wie das vor ein paar Jahren in Wien rund um Weihnachten der Fall war.



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